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Historische Übersicht der Seminarserie Zurück 1995/96: Beim Werkkreis Literatur der Arbeitswelt scheitert die Erstellung zweier Anthologien unter anderem an der Tatsache, daß ehrenamtliche Lektoren nicht mehr gefunden werden. Helga Reufels (Köln) und Jörg Jahn (Langen/Hessen) konzipieren ein Seminar, das alle ernsthaft Schreibenden ansprechen soll mit dem Ziel, später auch auf freiwilliger Basis bzw. zum Selbstkostenpreis Anfängertexte und spontane Einsendungen zum »Lektorats-Service« fachgerecht zu bearbeiten und zu beurteilen. 1996/97: Die Langener Volkshochschule bietet einen großen Einsteigerkurs im April/Mai ´97 an, zu dem sich 33 TeilnehmerInnen einschreiben. Jörg Jahn hat die Referenten gewonnen, den Ablauf vorbereitet und die Quartiere etc. reserviert; er ist als Protokollant und Moderator der Zwischendiskussionen tätig. April 97: Heike Wirthwein M.A. bearbeitet am 26.4. in acht Unterrichtseinheiten die stilistischen Themen Figurengestaltung, Zeitgestaltung und Raumgestaltung, wobei Klassikertexte als Beispiele herangezogen werden, aber auch Proben aus Werkkreis-Schreibaufruf-Einsendungen. Rudolf Spengler (OStR) referiert am 27.4. in sechs Unterrichtseinheiten über logische Fehler in erzählenden Texten, Brüche in der Erzählperspektive und Anachronismen, die beim Leser zu einer Ablehnung des Textes führen können. ¾ Vorstellungsrunde und vier Zwischendiskussionen bereiten die TeilnehmerInnen vor auf die Anforderung, das Urteil über einen (schlechten) Text zu begründen, außerdem dienen diese Diskussionen einer inneren Öffnung der großen Gruppe. Auch ein Leseabend mit spontaner Gesprächswerkstattarbeit gehört zum Umfang des ersten Teils. Eine Hausaufgabe für vier Wochen mit 20 fehlerbehafteten Wortlauten (anonymisiert, aus Schreibaufrufen) hilft den Blick auf die Schwachstellen der Texte zu schärfen und Verbesserungsvorschläge zu formulieren. Mai 97: Dieselben Teilnehmer wie im April reisen am 23.5. erneut an und vergleichen die Ergebnisse ihrer Hausaufgaben in einer geführten Diskussionsrunde. Franz-Peter Osterkamp (OStDir) leitet die acht Unterrichtseinheiten zum Thema »Handwerkliche Verbesserungsvorschläge« am 24.5. unter reger Mitwirkung der TeilnehmerInnen. Er befaßt sich insbesondere auch mit den heiklen Fragen zur Lyrik-Bewertung. Michael Neuner M.A., hauptberuflicher Musikkritiker, referiert über das Kritisieren an sich und die Ansatzpunkte bei der Bewertung durch einen medienwirksamen Fachmann, der für seine Meinung bezahlt wird; Gesichtspunkte des kulturellen Marktgeschehens werden beleuchtet. Peter Meister, Gründer eines regional erfolgreichen Kleinverlages in München, spricht zum Abschluß über die Verkaufbarkeit der Ware »Text« und gibt in einer anschließenden Diskussion zu den zahlreichen Fragen aus der Teilnehmerschaft Antwort. Oktober 97: Aus den Protokollen und Teilnehmer-Anregungen des Frühjahrsseminars haben Helga Reufels und Jörg Jahn einen Lesekontrollbogen für Prosa und eine Checkliste für Lyrik erarbeitet und verteilt. November 97: Das Folgeseminar »Lektoren-Werkstatt I« findet mit 18 TeilnehmerInnen am 21.–23.11. statt. Hierbei wird in drei Kleingruppen über die vorab eingesandten, vervielfältigten und verteilten Teilnehmertexte gesprochen, die von allen vorher daheim schon vorlektoriert worden sind. Die Gruppen werden im Wechsel von Helga Reufels, Jörg Jahn und Franz-Peter Osterkamp (mit Schwerpunkt Lyrik) moderiert; praktische Übungen zur Vorlesetechnik und Zusammenstellung des Programms für eine einstündige Lesung bilden den Abschluß. 1997/98: Aus den Protokollen der beiden abgelaufenen Seminare wird ein Lehrbuch erstellt (228 Seiten A4), welches zukünftigen Neu-Einsteigern als Grundlage dienen soll, damit sie sehen, worauf aufgebaut wird. Es wird in der Rathaus-Poststelle gedruckt und ist für 25 DM bei der Langener VHS bestellbar. 1998: 22 TeilnehmerInnen, von denen die meisten vier Wochen vorher Texte eingesandt haben, besuchen die »Lektoren-Werkstatt II« am 8.–10. Mai. Dieses Seminar ist aufgeteilt in eine Prosa-Textbesprechungsgruppe unter der Leitung von Helga Reufels (wie im November 97) und eine kleinere Lyrik-Intensiv-Arbeitsgruppe, bei der Franz-Peter Osterkamp die Begriffe »lyrische Sprache« sowie poetische Kurzformen und Wege zur Ideenfindung (Clustering) erklärt und durch praktische Übungen nahebringt. Auch mehrere Schnelldurchgänge zur Niederschrift einer spontanen Beurteilung von Lyrik fördern das lektorische Verständnis. Dr. Oliver Domzalski, hauptberuflicher Sachbuchlektor (bei S.Fischer Taschenbuchverlag Frankfurt) rundet das Seminar mit einem Referat über die Struktur der täglichen Arbeit im Verlag ab und gibt Antworten auf die unterschiedlichen Fragen der TeilnehmerInnen. Das Lehrbuch wächst auf 273 Seiten an. 1999: Das dritte Folgeseminar wird am 5.–7. März zum Thema
»Erfolgskiller Langeweile« von Barbara Engelmann (Hörspiel-Lektorin)
und Dr. Ursula Schregel (Dramaturgin), beide vom WDR Köln,
gestaltet. 27 TeilnehmerInnen wird ein dramaturgisches Theoriemodell vorgestellt
und mit dem Spielfilm »Liebe hat zwei Gesichter« in der Praxis
erläutert. Außerdem findet Kleingruppenarbeit an fünf Teilnehmertexten
statt, um Schwachstellenanalyse zu üben und Verbesserungsvorschläge
auszuarbeiten. Den Abschluß bildet ein Referat über die Arbeit
in der Hörspielredaktion beim Rundfunk und über die Bewertung
der eingesandten Drehbuchmanuskripte mit Teilnehmerfragen und Diskussion.
Das Lehrbuch wächst auf 298 Seiten an. — Zum ersten Mal wird im Oktober ein Seminar zur Vortragstechnik für Schreibende mit Dr. Jörg Sader (Rhetorik-Trainer und Literatur-Lehrbeauftragter Uni Frankfurt) veranstaltet, das guten Anklang (12 Teilnehmer) findet. |