Zeitliche Entwicklung der Kreativen Schreibwerkstatt      Zurück

1990: In der Kölner Werkstatt kommt Jörg Jahn mit Mitgliedern des Werkkreises Literatur der Arbeitswelt zusammen, lernt dort die Textarbeit auf der Basis der kollegialen Kritik und übernimmt Aufgaben im bundesweiten Verein. Diese Arbeit (Kassenführung, Mitwirkung an Neuerscheinungen, Druckvorbereitung) ist zeitweilig erfolgreich und ermutigt dazu, selbst eine Werkstatt zu gründen.
1992: Im Herbst bietet die VHS Langen erstmalig einen Abendkurs »Produktive Schreibwerkstatt« unter der Leitung von Jörg Jahn an, zu dem sich 11 Teilnehmer anmelden. Dies sind alles Fortgeschrittene, die schon viel geschrieben haben, so daß von Anfang an gute Ergebnisse bei den meist spielerischen Themen erzielt werden und sich die Teilnehmer privat anfreunden. — Zum Abschluß des Kurses wird mit ehrenamtlichem Engagement die Reinschrift-Broschüre »Rosenduft von Eisenach« (80 Seiten A4 mit Illustrationen) für alle Mitwirkenden kopiert.
1993: Im Frühjahr findet ein Fortsetzungskurs statt, zu dem neben den bisherigen Teilnehmern noch weitere dazustoßen. Es zeigt sich, daß die Einsteiger-Konzeption nicht wiederholbar ist. — In der Stadtbücherei findet die erste öffentliche Lesung der Werkstatt mit dem Thema »Aller Anfang« am 12. Mai zu Beginn der Kreiskulturtage statt. Der Besuch ist außerordentlich gut (40 Zuhörer), die Qualität wird von Fachleuten »besser als erwartet« bewertet. Am 12. Juli wird die Werkstatt als permanent arbeitende Gruppe, d.h. Werkkreis-Werkstatt, gegründet und bezieht ihr Domizil im renovierten Alten Amtsgericht, dem heutigen Kulturhaus. Sie trifft sich jeden 2. und 4. Mittwoch im Monat. — Am 13.11. findet dort im Aufführungssaal die erste eigene Lesung mit sieben Gastautoren statt unter dem Titel »Werkkreis-Themen der Gegenwart«. Es sind ca. 50 Personen externes Publikum da.
1994: Die Werkstatt besteht aus 10 Werkkreis-Mitgliedern, deren offene Meinungsäußerungen (Textkritiken) im bundesweiten Verein übelgenommen werden. Es bildet sich eine kritische Distanz. In Langen kommen weitere Teilnehmer sporadisch hinzu, nachdem die angebotenen VHS-Kurse nicht genügend Anmeldungen hatten. Bei der Stadtbücherei (15.6., Titel: »Nach einem Jahr«) sind über 60 Personen Publikum anwesend, die trotz drangvoller Enge auch nach der Pause dableiben. -- Bei der Lesung im Kulturhaus (12.11., Titel: »Erlebt, gewählt, geschrieben«) sind 13 Gast-Autoren dabei und der Saal ist mit 120 Personen gefüllt. Als Sponsor übernimmt die ArGe Deponiegasbetrieb Buchschlag die Reisekosten. Der Reinschrift-Band mit dem gleichen Titel umfaßt 88 Seiten A4 mit Illustrationen und findet regen Absatz. Im Herbst kommt wieder ein Einsteigerkurs mit 10 Teilnehmern zustande. Die Besetzung ist jedoch qualitativ sehr unterschiedlich und führt zum Abbröckeln der Teilnehmerzahl.
1995: Allmählich gewöhnt man sich an einen konstanten Arbeitsrhythmus, der aus Vorlesen, Kommentieren, Rückfragen (an den/die Autor/in) und Heimarbeit bis zur nächsten Sitzung besteht. Ein harter Kern bildet sich heraus, der alle Sitzungen bestreitet. Im Sommer (7.6., Titel: »Wo Schreiben leichtfällt«) in der Stadtbücherei kommen die Autoren des Herbstkurses 1994 zu Wort. 40 Personen Publikum sind da, die auch Texte der Werkstattmitglieder hören. Nach der Sommerpause wird die Autorenlesung »Nicht nur Realität« zum 18.11. vorbereitet. Dort sind vier Gast-Autoren vertreten, der Saal ist mit 100 Personen besetzt. Der neueste Reinschrift-Band »In Langen laut gelesen« (78 Seiten A4) erscheint und findet guten Absatz. Die Atmosphäre ist freundlich-familiär; man erkennt, daß die Schreibwerkstatt inzwischen ein fester Bestandteil der Langener Kulturszene ist. — Der bundesweite Werkkreis ist durch starke Streitigkeiten zersetzt und daher als Trägerverein unverläßlich; Jörg Jahn gibt dort seine Mitwirkung auf. Die Langener Werkkreisler kündigen ihre Mitgliedschaft zum Jahresende und die Werkstatt wird zur autonomen AG unter dem Dach der VHS mit dem Namen »Kreative Schreibwerkstatt Langen«.
1996: Zur Wiedereröffnung der renovierten, erweiterten Stadtbücherei am 3.2. präsentiert die Schreibwerkstatt ein Auftrags-Epos »Was Bücher uns geben« vor der Rede des Bürgermeisters in mehrstimmigem Vortrag. — Bei der Sommer-Lesung in der Stadtbücherei (»Schreiben, Lesen, Hören« am 5.6.) sitzen wieder 50 Personen im Publikum, davon die Hälfte zum ersten Mal. — Das Thema für die Herbstlesung am 23.11. lautet »Werte und Wünsche im Wandel«. Eingeladene Gäste sind u.a. die Neustädter Autoren e.V. aus Sachsen; es erscheint die Broschüre »Durch Schreiben neu erleben« nach fünf Jahren Schreibgruppentätigkeit in Langen.
1997: Die Werkstattarbeit durchläuft eine Durststrecke, weil die jüngere Generation aus dem harten Kern der Teilnehmer/innen ausgeschieden ist. Es findet nur eine Lesung am 24.9. in der Stadtbücherei statt (»Es bahnen sich Texte an«), wobei auch der Publikumszuspruch schwächer als in den vorherigen Lesungen ist. — Am 11. Oktober findet in Neustadt/Sachsen eine gut besuchte Lesung statt, bei der drei Langener die Gegeneinladung annehmen und als Gastautoren mitmachen.
    Als Gegengewicht zu der verminderten lokalen Literaturarbeit hat Jörg Jahn im Frühjahr einen überregionalen Kurs für Fortgeschrittene ausgeschrieben zum Thema »Lektorenschulung für Laien«. Dieser ist gut besucht und macht die Werkstatt schlagartig bundesweit bekannt. Ein Folgeseminar im November wird auf Wunsch der Teilnehmer spontan veranstaltet.
1998: Früh im Jahr wird ein Thema gesucht, das im Herbst zur Vernissage der Ergebnisse aus der Garagendruckerei geeignet ist, auf das man sowohl hinschreiben als auch hinmalen kann. Jörg Jahn konferiert mit Kursleiter Gerhard Rühmkorff und seiner Tochter Martina, die ein Cellistenquartett leitet. Ergebnis ist der Titel »Stimmen hinter der Tür«, wofür einige Beiträge verfaßt werden. — Die »Lektorenschulung« findet im Mai eine Fortsetzung, auch einige aus der Langener Werkstatt nehmen aktiv teil. — Im Sommer,17.6. in der Stadtbücherei, wird zunächst zum Thema »Wieder fiel viel Neues nieder« allerlei Erinnerungs- und Unterhaltungsliteratur vor 30 Personen Publikum geboten.
    Die Vernissage am 11.9. im Kulturhaus hat 50 Personen Publikum, es kommen nach der Ansprache von Gerhard Rühmkorff einige Musikstücke der Cellisten zu Gehör. Von der Schreibwerkstatt werden fünf Beiträge beigesteuert, die ebenso großen Applaus finden.
1999: Claudia Brendler, Gitarrenlehrerin bei der Musikschule, stößt zur Werkstatt und stellt ihre satirischen und nachdenklichen Texte zur Kritik. Bei der Stadtbücherei-Lesung am 16.6. (»Sprache, Spaß und Spiel«) findet ihr musikalisch begleiteter Vortrag großen Zuspruch, wobei gleichzeitig Kritik an der Erinnerungsberichterstattung der Senioren zu hören ist.
   Zum ersten Mal wird ein Kurs »Vortragstechnik für Schreibende« angeboten, der am Wochenende 1.--3. 10. im Kulturhaus stattfindet und auch überwiegend von auswärtigen Fortgeschrittenen besucht wird, die das VHS-Programm von der Lektorenschulung her kennen. Als Referent wurde Dr. Jörg Sader (Frankfurt) gewonnen, der seit mehreren Jahren an der Goethe-Universität als Lehrbeauftragter für Deutsche Literatur tätig ist und Rhetorik-Kurse in Industriefirmen und Volkshochschulen abhält. 
   Zur Feier seines 50. Geburtstages hat Jörg Jahn eine größere Anzahl Kirchenmusiker eingeladen, darunter auch den südhessischen Auswahl-Posaunenchor. Am 23.10. findet in der Stadtkirche ein gut besuchtes Konzert mit vier Literaturbeiträgen zum Thema »Leben im Frieden« statt, das sehr wohlwollend in der Presse besprochen wird. 
    Innerer moralischer Aufwind ermutigt dazu, wieder eine Lesung mit Gastautoren im Kulturhaus zu veranstalten, dazu wird die Grazer Werkstatt »Literatur der Arbeitswelt« eingeladen. Vier Autoren, zwei Damen und zwei Herren aus der jüngeren Generation, sagen zu und sind am 13.11. im Kulturhaus beim Leseabend »Noch 49 Tage« neben zwei anderen Gästen aus dem Inland vertreten. Der Besuch der Veranstaltung ist mit 15 Personen eher mager, aber die Art der Darbietungen hat sich gewandelt und man nähert sich den zeitgemäßen Auseinandersetzungsthemen an.
2000:Die 8. Jahreslesung der Schreibwerkstatt am 5. September 2000 mit dem Thema »Mut zur Feigheit!« in der Stadtbücherei findet vor 40 Zuhörern statt, Gastautoren sind vier Teilnehmer der Kurse zur Lektorenschulung: Regina Berlinghof, Irmgard Ostermann, Matthias Brockmann und Jürgen Dittmar.
2001:Es wurde ein Arbeitsthema gefunden und systematisch darauf hingeschrieben. »Was wäre, wenn...« ist auch der Titel der 9. Stadtbücherei-Lesung am 25. September. Zum gleichen Zeitpunkt fertig wird das Lesebuch »Noch 49 Tage« (156 Seiten A4) mit den Texten, die in den öffentlichen Lesungen 1997 bis 2000 vorgetragen worden sind.
     Zum festen Teilnehmerstamm der regelmäßig Schreibenden gehören: Ingelore Böneke, Sonnhild Grevel, Katja Hahner, Carla Heinze, Gernot von Heydebreck, Gisela Jahn, Marianne Reuther und Hans Rösler. Ehrenamtlich tätiger Kursleiter, Moderator und Redakteur ist Jörg Jahn. Die Funktion der Werkstattsprecherin geht Ende September in gutem Einvernehmen von Ulla Lotzer auf Ingelore Böneke über.
2002:Als Arbeitsthema wird »Der sechste Sinn« gewählt und thematisch darauf hingeschrieben. Die 10. öffentliche Lesung der besten Ergebnisse findet am 25. September in der Stadtbücherei statt. Über 40 Personen sitzen im Publikum; die Zwischenmusiken werden von einem Blechbläser-Ensemble aus der Johannesgemeinde Neu-Isenburg dargeboten.
2003:Als Motto wird »Poesie tut not« gewählt und mit einigen thematischen Gruppenübungen und Hausaufgaben Stoff gesammelt, der in den Sitzungen gesichtet und literarisch verbessert wird. Im Februar verstirbt Gründungsmitglied Kurt Seidel 91-jährig in Bad Orb. -- Nach der Sommerpause tritt ein hochmotiviertes Vortragsstudium ein, das zu wöchentlichen Zusammenkünften Anreiz gibt. Die 11. Jahreslesung am 24. September hat den Titel »Poesie der kleinen Dinge« und wird von 40 Zuhörern besucht. Die Zwischenmusiken in Form von Irish Folk Music werden von der Band »Reel Devils« dargeboten.
2004: Als Motto wird »Worte im Dialog« gewählt und mit aller Kraft darauf hingeschrieben. Nach der Sommerpause wird wieder wöchentlich für den Vortrag geprobt. Die 12. Jahreslesung am 22. September hat den Titel »Worte im Dialog« und wird von ca. 45 Zuhörern besucht. Die Zwischenmusiken bestreitet das Langener Mandolinenorchester im 70. Jahr seines Bestehens mit Bravour.
2005: Als Motto wird »Das Porträt« gewählt und zum Teil mit Vor-Ort-Schreibrunden darauf zugesteuert. Durch Abgänge und Beteiligungsschwäche tritt Verzögerung ein, dennoch kann man für die 13. Jahreslesung am 28. September mit dem Titel »Menschenbilder« eine Reihe gut vortragbarer Stücke präsentieren und das Zusammenfassungs-Lesebuch »Literarische Luftwurzeln« wird druckfrisch verkauft. Die Zwischenmusiken bestreitet das Ensemble für Alte Musik aus Götzenhain mit mittelalterlichen Instrumenten und Renaissance-Musik.
2006: Als Motto wird »Das Rezept« gewählt und einige spontane Einfälle dazu kommen aufs Papier. Um den Personenkreis der Werkstatt in naher Zukunft zu erweitern, werden Abendkurse ausgeschrieben ("Spontanes Schreiben" und "Zum Klang der Sprache"), die ab Mitte Februar für 10 Wochen laufen sollen. Leider finden sich außer vorsichtigen Anfragen keine verbindlichen Anmeldungen. -- Die 14. Jahreslesung am 27. September mit dem Titel »Das Rezept« ist gut besucht (ca. 60 Zuhörer); die Zwischenmusiken werden vom Gitarrenkreis der ev.Gemeinde Dietzenbach-Steinberg beigesteuert.
2007: Als Motto wird »Weil es nicht geht« vorgeschlagen und einige sonderbare Geschichten aus der Unterhaltungsliteratur halten als Beispiel her. Im Frühjahr wird von den Buchhandlungen und der Stadtbücherei das Thema »Vom Ritter zum Reiter« als Veranstaltungsvorschau für die Langener Lesetage im Oktober/November ausgegeben. Die Werkstatt entschließt sich, dabei mitzumachen und schiebt das ursprüngliche Thema für später auf. Ab der Sommerpause geht man probehalber vom Mittwoch auf den Donnerstag als Sitzungstag über und erhofft sich davon eine stärkere regelmäßige Beteiligung. -- Im Sommer wird das Thema in »Vom Ritter zur Raumfahrt« umbenannt und ein Vierfarbdruck-Flyer verteilt. Die 15. Jahreslesung wird ausnahmsweise nicht im September in der Stadtbücherei, sondern wegen der Klavier-Zwischenmusik (Alexander Grevel) im Saal des Kulturhauses am 2. 11. abgehalten. Es sind 30 Personen Publikum anwesend; von den Themen-Initiatoren der »Langener Lesetage« hält es niemand für nötig, die Veranstaltung zu besuchen.
2008: Am Motto »Weil es nicht geht« wird konsequent weitergearbeitet; wegen des Umbaues am Stadthallen-Gebäude und Auslagerung der Stadtbücherei ins Haupthaus der Bezirkssparkasse findet die 16. Jahreslesung am 30.10. wieder im Saal des Kulturhauses statt. Ein Querflötentrio (Brigitta Jork, Valerie Malcherek und Franka Vontz) von der Musikschule bestreiten die Zwischenmusiken, während ein kurzweiliges Feuerwerk unterschiedlichster Beiträge abgebrannt wird. Erstmalig werden auch Ergebnisse von Schreibspielen vor dem 24-köpfigen Publikum präsentiert.
2009: Zum Motto »Absage ans Verweilen« finden sich nicht von allen Mitgliedern geeignete Beiträge; die 17. Lesung am 8. Oktober im Kulturhaus bekommt den Titel »Sprünge aus der Spur« und gliedert sich in "Heile-Welt-Geschichten" und "literarische Action", wobei auch freie Texte eingegliedert werden. 25 Zuhörer/innen sind gut unterhalten, auch von den Zwischenmusiken (Petra Block, ev. Kantorin Egelsbach am Klavier). Die turbulente Wiedereröffnung der Stadtbücherei im renovierten Stadthallen-Gebäude am 1. November war für eine Lesung nicht geeignet.
2010: Zum Motto »Sizilianische Hochzeit« wird als erster Schritt ein "Personenpool" von Charakteristiken unterschiedlichster Figuren erarbeitet, die in allen Erzählgeschichten verwendet werden dürfen. -- Zum 10. März 2010 (19:00 Uhr) lädt die Schreibwerkstatt ihr Stadtbücherei-Publikum in die Neue Stadthalle ein. »Vom Ritter zum Seilsprung« lautet die Zusammenfassung der Höhepunkte dreier Lesungen außerhalb der Stadtbücherei in den Jahren 2007-2009.                                                        Zurück zur Startseite